Meinungsäußerung einer „Betroffenen“ zum Film „Kribbeln im Bauch“

4 Okt

(Zum Verständnis: Die „Betroffene“ ist 78 Jahre alt. Ist jetzt schwer körperbehindert. Lebt in einem betreuten Wohnen. Sie ist verwitwet. Hat zwei Töchter (Ulrike und Verena). Nach dem Tod ihres Mannes hatte sie 10 Jahre einen „Freund“, der an Krebs gestorben ist. Seitdem bemüht sie sich mit ganzer Energie um eine neue Partnerbeziehung, was angesichts ihrer Lebensumstände nicht so einfach ist. Hauptmotiv für ihr „Mühen“: Sie kann nicht allein leben.

Ihr gegenüber habe ich den Film erwähnt. Sie war sofort interessiert. Also habe ich ihr eine Kopie zukommen lassen. Inzwischen hat sie sich den Film mehrmals angesehen, auch zusammen mit einer ihrer Töchter.

Mit ihrem Einverständnis zitiere ich aus einem Brief an mich in der Hoffnung, dass durch das Einbeziehen der Meinung einer Insiderin unsere Diskussion bereichert wird. )

Nochmals meinen Dank für den Film. Meinen ersten Eindruck kennst Du, aber am Telefon kann man manches ja nicht so ausdrücken.

Mit Ulrike habe ich mir den Film nochmals angesehen. Ihr Kommentar: Wenn man im Alter noch so lieben kann, warum soll man da noch Angst haben!

Mit Verena steht mir das Erlebnis in 4 Wochen bevor. Ich glaube fast, sie wird sagen: So möchte ich mit meinem Hugo alt werden.

Meine Gedanken zum Film:

Beeindruckend ist die einfühlsame Gestaltung, die es möglich macht, dass ältere Menschen sich so natürlich, selbstbewusst und würdevoll über ganz persönliche Wünsche und Bedürfnisse äußern.

Für Jüngere gewiss erstaunlich, dass auch im Alter Liebe empfunden wird, Eifersucht eine Rolle spielt („Das ist mein Mann!“), Zärtlichkeit als wichtig, ja lebensnotwendig erscheint und körperliche Nähe beglückend empfunden wird.

Nachdenklich mag es viele machen, dass es Menschen gibt, die erst im Alter lernen, was Liebe sein kann und wie wohltuend körperliche Nähe wirkt.

Einen Partner haben, der auf mich eingeht und auf den ich eingehen kann.“

Dieser Wunsch ist gewiss an kein Lebensalter gebunden. In dieser ausgeprägten Form spielt allerdings die Lebenserfahrung eine große Rolle.

Probleme werden natürlich auch sichtbar: “Nein, das möchte ich nicht“. Aber das macht die Ernsthaftigkeit deutlich. Einsamkeit ist schwer zu ertragen.“

Auch dieser Satz gilt für alle Altersgruppen, gewinnt aber im Alter an Gewicht und Bedeutung durch die Frage: „Was kommt dann?“ Das Bewusstsein um die Endlichkeit führt dazu, dass Liebe intensiver erlebt wird. („Weil wir zusammen leben wollen.“)

Zur „Hochzeit in Weiß“:

Ich glaube, hier steht uns die eigene Borniertheit im Wege. Wir erwarten Verständnis für eigenes Verhalten (sind sogar darauf angewiesen), maßen uns aber an, über andere ohne Verständnis zu urteilen. Ist nicht das strahlende Lächeln der beiden Menschen Ausdruck für Glück? Wer will es ihnen nicht gönnen?

Ja, die Kinder! Nur kurz angedeutet, weckt es doch in jedem bestimmte Erinnerungen. Das liebe Geld!! Aber das ist wohl ein anderes Thema.

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