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“Dieses Kribbeln im Bauch…”

8 Jun

…ist wohl eines der schönsten Gefühle der Welt. Kann man auch im Alter noch in den Genuss von Schmetterlingen im Bauch kommen? Natürlich! Aber leider sieht man in den Medien sehr selten Bilder von älteren Menschen, die Händchen halten und beim Blick des Partners verschämt die Augen niederschlagen. Deswegen berührte uns der Dokumentarfilm “Kribbeln im Bauch” der Leipziger Regisseurin Katrin Bühlig umso mehr, die vier Paare gefunden hat, die offen, rührend, authentisch – und vor allem ermutigend! – vor der Kamera von ihrer Beziehung erzählen. „Warum nicht auch anderen älteren Menschen diesen Film zeigen und Mut machen?“, fragten wir uns und zeigten den Film in einer Volksolidarität in Leipzig. Anschließend erzählten wir unserer Löwin Elisabeth, die zu dieser Zeit gerade im Praktikum war, von diesem erfolgreichen Nachmittag…hört selbst!

Liebe und Alter(n)

8 Dez

Wie im vorherigen Beitrag bereits angeführt, wurden Szenen der Filme “Irina Palm” und “Wolke 9″ von dem Medienclub Leipziger Löwen diskutiert und verändert. Zu “Irina Palm” gibt es zwei Neuvertonungen und eine neugedrehte Szene (UNSER Ende des Films). Den Anfang von “Wolke 9″ haben wir verändert und dies in einer selbstgedrehten Szene dargestellt.

Hier sind die Ergebisse zu begutachten.

Die Nachvertonung von “Irina Palm” 1:

Die Nachvertonung von “Irina Palm” 2:

Das alternative Ende von “Irina Palm”:

Der alternative Beginn des Films “Wolke 9″:

Liebe und Altern

3 Dez

Dieser Beitrag müsste vom Zeitablauf her den Vorrang vor den anderen Beiträgen haben.

Unser erstes Projekt war das Thema “Liebe und Altern”. Zu diesem Thema hatten wir, der Medienclub Leipziger Löwen, uns die Filme “Irina Palm” und “Wolke 9″ angesehen. Wir haben über beide Filme sehr intensiv, teilweise auch kontrovers, diskutiert, besonders unter dem Aspekt, was hat uns der Film über Liebe und Altern gesagt. Meinungen und Ideen wurden darüber ausgetauscht, was würden wir an bestimmten Szenen im Film ändern, um das Thema Liebe und Altern besser darzustellen.

Aus dieser Diskussion heraus entstanden zum Film “Irina Palm” drei, im Text und teilweise auch im Bild, neu gestaltete Szenen.

Zu “Wolke 9″ wurde der Beginn des Filmes, die nähere Bekanntschaft zwischen Inge und Karl,  ganz neu in Szene gesetzt. Mit einigem Aufwand, aber auch mit viel Humor, hat fast das gesamte Team der Leipziger Löwen an der Produktion der Filmaufnahme mitgewirkt.

Meinungsäußerung einer „Betroffenen“ zum Film „Kribbeln im Bauch“

4 Okt

(Zum Verständnis: Die „Betroffene“ ist 78 Jahre alt. Ist jetzt schwer körperbehindert. Lebt in einem betreuten Wohnen. Sie ist verwitwet. Hat zwei Töchter (Ulrike und Verena). Nach dem Tod ihres Mannes hatte sie 10 Jahre einen „Freund“, der an Krebs gestorben ist. Seitdem bemüht sie sich mit ganzer Energie um eine neue Partnerbeziehung, was angesichts ihrer Lebensumstände nicht so einfach ist. Hauptmotiv für ihr „Mühen“: Sie kann nicht allein leben.

Ihr gegenüber habe ich den Film erwähnt. Sie war sofort interessiert. Also habe ich ihr eine Kopie zukommen lassen. Inzwischen hat sie sich den Film mehrmals angesehen, auch zusammen mit einer ihrer Töchter.

Mit ihrem Einverständnis zitiere ich aus einem Brief an mich in der Hoffnung, dass durch das Einbeziehen der Meinung einer Insiderin unsere Diskussion bereichert wird. )

Nochmals meinen Dank für den Film. Meinen ersten Eindruck kennst Du, aber am Telefon kann man manches ja nicht so ausdrücken.

Mit Ulrike habe ich mir den Film nochmals angesehen. Ihr Kommentar: Wenn man im Alter noch so lieben kann, warum soll man da noch Angst haben!

Mit Verena steht mir das Erlebnis in 4 Wochen bevor. Ich glaube fast, sie wird sagen: So möchte ich mit meinem Hugo alt werden.

Meine Gedanken zum Film:

Beeindruckend ist die einfühlsame Gestaltung, die es möglich macht, dass ältere Menschen sich so natürlich, selbstbewusst und würdevoll über ganz persönliche Wünsche und Bedürfnisse äußern.

Für Jüngere gewiss erstaunlich, dass auch im Alter Liebe empfunden wird, Eifersucht eine Rolle spielt („Das ist mein Mann!“), Zärtlichkeit als wichtig, ja lebensnotwendig erscheint und körperliche Nähe beglückend empfunden wird.

Nachdenklich mag es viele machen, dass es Menschen gibt, die erst im Alter lernen, was Liebe sein kann und wie wohltuend körperliche Nähe wirkt.

Einen Partner haben, der auf mich eingeht und auf den ich eingehen kann.“

Dieser Wunsch ist gewiss an kein Lebensalter gebunden. In dieser ausgeprägten Form spielt allerdings die Lebenserfahrung eine große Rolle.

Probleme werden natürlich auch sichtbar: “Nein, das möchte ich nicht“. Aber das macht die Ernsthaftigkeit deutlich. Einsamkeit ist schwer zu ertragen.“

Auch dieser Satz gilt für alle Altersgruppen, gewinnt aber im Alter an Gewicht und Bedeutung durch die Frage: „Was kommt dann?“ Das Bewusstsein um die Endlichkeit führt dazu, dass Liebe intensiver erlebt wird. („Weil wir zusammen leben wollen.“)

Zur „Hochzeit in Weiß“:

Ich glaube, hier steht uns die eigene Borniertheit im Wege. Wir erwarten Verständnis für eigenes Verhalten (sind sogar darauf angewiesen), maßen uns aber an, über andere ohne Verständnis zu urteilen. Ist nicht das strahlende Lächeln der beiden Menschen Ausdruck für Glück? Wer will es ihnen nicht gönnen?

Ja, die Kinder! Nur kurz angedeutet, weckt es doch in jedem bestimmte Erinnerungen. Das liebe Geld!! Aber das ist wohl ein anderes Thema.

Anmerkungen zu “Kribbeln im Bauch”

29 Sep

Sofort denkt man bei dieser Metapher an das himmelhoch jauchzende Glücksempfinden, welches die (erste) junge Liebe auslöst und von dem sie begleitet wird.

Ein klassischer Liebesfilm für die junge Generation also?

Der von Katrin Bühlig bereits 2001 gedrehte Film verfolgt ein anderes Ziel.

Was passiert mit der Liebe im Lauf unseres Lebens? Kommen die “liebestollen Schmetterlinge“ auch dann zu uns zurück und lassen es im Bauch kribbeln, wenn wir jenseits der 75/80 sind? Oder sind in dieser Lebensphase „Hopfen und Malz“ bereits für immer verloren? Wie erleben wir – wenn überhaupt – im Alter Liebe? Welche Freuden und Glücksmomente bestimmen dann eine gewünschte Zweisamkeit? Mit welchen Belastungen und Schwierigkeiten muss man rechnen und fertig werden?

Der genannte Film dokumentiert das Leben von 4 Paaren in der Zeit ihrer vielleicht letzten Liebe, deren baldiges Ende mit den Konsequenzen für den jeweils Zurückbleibenden unterschwellig durchaus eine Rolle spielt.

Trotzdem ist es kein „Taschentuchfilm“.

Es ist vielmehr erheiternd, beglückend und manchmal auch bedrückend beobachten zu können, mit welchem Lebenshintergrund und mit welchen Erwartungen an die gewünschte Zweisamkeit sich die liebevoll porträtierten Einzelpersonen auf den Weg zueinander machen.

Voller Neugier, mit großem Einfühlungsvermögen, Sympathie und Respekt werden sie befragt. Dieses Herangehen schafft die Basis für ihre Auskunftsbereitschaft und ehrliche Auskunftsfreudigkeit. So wirkt alles absolut authentisch. Wir bekommen Zugang zu ihrem bisherigen Leben. Verständnis für ihre Defizite und Ziele im Leben wird geweckt. Ohne Scheu und falsche Scham sprechen sie über ihre Empfindungen in der neuen Beziehung, über Erotik, Sexualität, äußeren freimütig ihre Befürchtungen  vor einer möglichen Trennung, der folgenden erneuten Einsamkeit, äußern sich zur Bedeutung von Zärtlichkeit, den Umgang mit den Kindern des Partners usw.

Einen besonderen Reiz auf den Zuschauer üben die unverkrampften, offenen Wertungen aus, die sie in Bezug auf die Motive ihres Handels und Verhaltens, hinsichtlich neu gewonnener Einsichten und Ansichten  sowie  mit Blick auf ihre Probleme beim Aufbau und Vertiefen ihrer neuen Beziehung treffen. Darauf basiert die Überzeugungskraft der Analyse, die der Film zum Thema Liebe im hohen Alter anstrebt. Diese Analyse kommt nicht „wissenschaftlich trocken“ daher. Sie lässt das   Leben selbst in vielfältigen Bildern sprechen. Am Ende bejaht der Zuschauer überzeugt und emotional das Fazit der lebenserfahrenen Protagonisten:

„Ich gebe dir Recht, dass sich die Art zu lieben im Laufe eines Lebens verändert. Aber das Gefühl dabei ändert sich nicht. Die Liebe bleibt uns. Für immer.“

„Kribbeln im Bauch“ empfinde ich nicht als ein „Aufklärungsstück“, das um Toleranz „bettelt“. Das Phänomen Liebe wird vielmehr erlebbar als eine das Leben bis an sein Ende begleitende Selbstverständlichkeit, auf die man nicht verzichten muss oder sollte, denn: „Durch die Leidenschaft lebt der Mensch, durch Vernunft existiert er bloß“. (Sebastien Chamfort)

So kann dieser Film mit seinen „selbstbewußten Alten“ Lebenshilfe für jene sein, die jenseits der 80 aus moralischen Gründen auf das Schönste im Leben verzichten wollen. Er macht Mut zum möglichen Umdenken.

Andere Filme zum Thema (Irina Palm; Wolke 9) sind aus meiner Sicht „Kunstwerke“, die (nur) zeigen: So k ö n n t e es mit der Liebe sein.

Die 4 Paare in „Kribbeln im Bauch“ beweisen mit ihrem Leben: So i s t es mit der Liebe.

Ihr verschmitztes „Augenzwinkern“, das viele ihrer Äußerungen begleitet, ist angetan, uns von einer Lebensweisheit zu überzeugen:

„Glück ist Liebe, nichts anderes. Wer lieben kann, ist glücklich.“ (Hermann Hesse).

Anmerkung: In einem Altenheim, in dem ich öfter zu Besuch bin, habe ich von diesem Film und seinem Anliegen erzählt.

Reaktion: Woher bekommen wir diese DVD? Das Thema interessiert. Gut so.



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